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Baby an Board - mit Baby fliegen ist kinderleicht



In diesem Beitrag möchte ich für euch alles Wissenswerte zu Thema "Fliegen mit Baby" erklären. Ich bin Flugbegleiterin und Mutter. Ich habe quasi Kerosin im Blut. Gerne möchte ich euch an meinen Erfahrungen teilhaben lassen.

Das Fliegen mit einem Baby oder Kleinkind unterscheidet sich in einigen Punkten von einem herkömmlichen Flug.

Hier versuche ich Dir die Unterschiede zu verdeutlichen und bei Unsicherheiten Licht ins Dunkel zu bringen.

Bevor meine Tochter zur Welt kam, war ich schon vier Jahre lang Flugbegleiterin und fühlte mich im Flugzeug zuhause. Trotzdem gab es auch für mich vor unserem Ersten Flug einige Unklarheiten. Fragen wie:

Soll ich nicht vielleicht doch lieber einen eigenen Sitzplatz für Sie buchen? Ist das nicht sicherer?

Was mache ich mit dem Kinderwagen? Wie viel Gepäck ist erlaubt?

Was darf ich an Nahrung für mein Baby mitnehmen und was nicht?

Wie läuft die Sicherheitskontrolle ab?

Wie steckt mein Baby den Flug weg? Hoffentlich klappt der Druckausgleich problemlos.

Das alles schwirrte mir durch den Kopf. Schließlich kenne ich mich zwar IM Flugzeug gut aus, aber nicht unbedingt am Flughafen selbst. Wenn ich dienstlich unterwegs bin, muss ich weder zum Check-In Schalter noch habe ich den Kinderwagen mit dabei.

 

Hier gebe ich Dir einen kurzen Einblick zum Ablauf am Boden und den Verfahren bei uns an Board.

Ich werde Dir hilfreiche Tipps und Tricks verraten, wie euer erster Flug zum Erfolg wird.

 

Viel Spaß beim Lesen.


In der Flieger-Branche spricht man bei einem Kind bis zum vollendetem 24. Lebensmonat von einem

INFANT

Status gilt international und löst gewisse Verfahren aus.

Die Besonderheiten bei einem INFANT sind:

  • Pre-boarding, man wird bei vielen Stationen, wie Check-In, Sicherheitskontrolle oder beim Einsteigen bevorzugt behandelt.
  • Es wird kein Essen für das Kind beladen, da man davon ausgeht, dass es sich um einen Säugling handelt.
  • Falls nicht extra gebucht, hat es keinen eigenen Sitzplatz.
  • Es muss während Start und Landung auf dem Schoß eines Erwachsenen sitzen und mit einem Loop Belt angeschnallt sein, oder in einem geeigneten Kindersitz mit Rückhaltesystem angeschnallt werden.
  • Wenn der Flug über Wasser geht, bekommt man vor Abflug eine Kleinkind-Schwimmweste von den Flugbegleitern ausgehändigt.
  • Auf Langstrecken Flugzeugen kann man ein Babykörbchen gegen Aufpreis hinzubuchen. Die Anzahl der Körbchen ist begrenzt und es gelten Gewichts- und Größen-Beschränkungen. Genauere Informationen kann man bei der entsprechenden Airline erfragen.
  • Man darf nicht an einem Notausgang, eine Reihe davor oder dahinter sitzen. Ausnahme: spezielle Mutter-Kind-Reihen auf Langstreckenflugzeugen.
  • Nur ein Infant pro Sitzeinheit. Der Grund hierfür ist die Anzahl der Sauerstoffmasken (Zwillinge).
  • Das Baby muss ein Mindestalter von 7-14 Tagen haben.

Ein eigener Sitzplatz ist nicht nötig !

Da das Kind keinen eigenen Sitzplatz hat, sondern auf dem Schoß sitzt, kostet der Flug nur etwa 10% des normalen Flugpreises.

Bei einem eigenen Sitz werden bis zu 100% des regulären Flugpreises fällig. Warum ich absolut dafür bin, das Kind auf dem Schoß zu nehmen, erläutere ich unten noch ausführlicher.

 

Vorsicht bei der Buchung! Eventuell ist kein Koffer für das Kind im Flugpreis inbegriffen und man muss bei Aufgabe eines Gepäckstücks einen Aufpreis zahlen.

Hier lauert die Kostenfalle gerade bei Billig-Airlines. Es ist wichtig bei der Buchung genau hinzusehen.

 

Immer wieder fragen mich Bekannte, ob sie fahrlässig handeln würden, wenn sie keinen eigenen Sitzplatz für ihr Kind buchen würden.

Voller Sorge, es könnte etwas passieren, wird überlegt, den schweren Kindersitz nun doch mitzunehmen, um den Junior darin sicher festzuschnallen und so in den Urlaub zu transportieren.

Auch wenn das teilweise die Meinung im Internet ist und in vielen Foren zu lesen ist, muss ich klar sagen, dass das mit der Realität nichts zu tun hat und mehr Panikmache ist, als hilfreich.

Es wird geschrieben, das Kind wäre nicht ausreichend geschützt. Jedoch sind Flugzeuge das sicherste Verkehrsmittel der Welt. Das Risiko sich zu verletzten ist im Auto hundertmal höher. Auf diese Statistik stützend, kann ich euch wirklich beruhigen und mit gutem Gewissen empfehlen, das Kind auf dem Schoß zu nehmen und keinen extra Sitzplatz zu buchen.

Die Kleinen fühlen sich ohnehin am wohlsten bei Mama oder Papa auf dem Schoß.

Der Loop Belt. Damit wird das Kind auf dem Schoß der Eltern angeschnallt.


Wann ein eigener Sitzplatz vieleicht doch sinnvoll ist :

Der Check-In versucht nach Möglichkeit, einen Sitzplatz neben einem Infant frei zu halten.

Leider gelingt das nicht immer. Für einen extra Sitz gibt es keine Garantie.

Wenn der Flug ausgebucht ist, muss man sich darauf einstellen, dass das Kind auf dem Schoß bleibt und nicht abgelegt werden kann.

Bei einem längeren Flug und einem großen Kind kann das auch sehr anstrengend werden und die Idee mit dem eigenen Sitzplatz sehr attraktiv werden.

 

Also dann, und nur dann, wenn der Flug lang ist und das Kind groß und schwer, würde ich aus Komfortgründen dazu tendieren einen eigenen Sitzplatz zu buchen.


Tipps und Tricks zur Organisation für unterwegs


Am Flughafen

Um die Wartezeiten am Flughafen zu verringern, kann man sich meist schon 24 bis 48 Stunden vorher von zuhause aus einchecken. Das geht normalerweise ganz einfach online mithilfe der Ticketnummer oder einem Buchungscode. Wenn das zuhause einchecken nicht geklappt hat, kümmert sich der Mitarbeiter am Abflugsschalter darum. Eine gemeinsame Buchung garantiert leider nicht, dass die Sitzplätze nebeneinanderliegen. Es kann (wenn auch selten) vorkommen, dass eine Familie keine Sitzplätze nebeneinander hat. Das liegt daran, dass zu spät eingecheckt wird und alle anderen Plätze schon vergeben sind.

In diesem Fall lieber etwas früher zum Flughafen kommen.

 

Die meisten Fluggesellschaften haben gut funktionierende Apps, die ich - als Flugbegleiter - wärmstens empfehlen kann.

Auch bei Flugverspätungen oder der Kofferverfolgung bleibt man auf dem Laufenden.

Man wird im Falle eines Flugausfalls automatisch umgebucht und kann das neue Ticket online in der App abrufen.

So spart man sich den Weg zum Serviceschalter.


Wohin mit dem Kinderwagen?

Sofern meine Recherche ergeben hat, darf man bei den meisten Airlines den Kinderwagen kostenlos mitnehmen. Er muss nicht vorab angemeldet werden. Er wird am Check-In Schalter von einem Airline-Mitarbeiter mit einem Label versehen und kann dort oder am Sperrgepäck-Schalter abgegeben werden. Einige Flughäfen bieten sogar an, den Kinderwagen bis vor die Tür des Flugzeugs mitzunehmen. Den Kinderwagen kann man dann einfach am Ende des Gangs, vor der Eingangstür zum Flieger abstellen.

Die Bodencrew verlädt den Kinderwagen oder Buggy ins Gepäckfach im Frachtraum und kümmert sich nach der Ankunft darum, ihn wieder zum Flugzeug oder an das Gepäckband zu liefern.

 

Bevor der Kinderwagen in den Sicherheitsbereich darf, kann es sein, dass er auf Sprengstoffe untersucht wird.

Warum ist das nötig? Flugzeuge könnten als Waffe verwendet werden und da gilt Sprengstoff als gefährlichstes Mittel überhaupt. Die Täter sind kreativ und ein Kinderwagen kann als Tarnung nicht ausgeschlossen werden. Der Test dient als reine Vorsichtsmaßnahme und ist ein Standard-Verfahren. Es werden mit einem Teststreifen Proben der Oberflächen genommen und in einem Gerät analysiert. Dieser Test reagiert sehr sensibel auf eventuelle Rückstände.

Besser nicht die Hände vor der Kontrolle eincremen, da diese Glycerin enthalten, Du könntest sonst als möglicher Terrorist in Verdacht geraten. :)


Die Sicherheitskontrolle

Man trägt das Kind auf dem Arm durch die Sicherheitskontrolle. Wenn man den Alarm ausgelöst hat, wird man auch gemeinsam kontrolliert.

Das Kind muss vorher aus der Babytrage genommen werden, diese wird zusammen mit dem anderen Gepäck durchleuchtet.

Der ein oder andere fragt sich sicher, woher man das Essen und Trinken für das Kind nehmen soll? Da Flüssigkeiten über 100ml nicht erlaubt sind? - Das stimmt natürlich. Eigentlich.

Es eine Ausnahme: Babynahrung unterliegt nicht den EU-Handgepäcksbestimmungen. Es darf so viel Wasser und Babynahrung mitgenommen werden, wie man für die anstehende Flugreise braucht.

Die Babynahrung muss ausgepackt und dem Sicherheitspersonal gezeigt werden.

Es wird separat untersucht und durchleuchtet. Wenn keine Auffälligkeiten bestehen, darf man es problemlos mitnehmen.

 

Bitte bedenkt, dass es im Flugzeug kein steriles Wasser oder eine Mikrowelle gibt.

Manche Fluggesellschaften haben zwar die Möglichkeit Essen im Ofen zu erwärmen oder das Fläschchen in einem Wasserbad warm zu machen, jedoch kann das nie garantiert werden. Daher rate ich, alles mitzunehmen was man für die Verpflegung braucht.


Im Flugzeug

Kinder bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr müssen auf dem Schoß der Eltern sitzen, oder in einem geeigneten Kindersitz mit Rückhaltesystem angeschnallt sein. Auf der Babyschale gibt es ein Symbol, das anzeigt, ob der Sitz für den Flieger zugelassen ist.

 

Der Loop Belt wird zusammen mit der Kleinkind-Schwimmweste (wenn der Flug über Wasser führt) vorab von den Flugbegleitern überreicht. Wie die Rettungsweste angelegt werden muss ist mit Bildern auf der Verpackung zu erkennen. Ein kurzer Blick lohnt sich.

 

Eine der größten Ängste vieler jungen Eltern ist: Was denken die Anderen über mich, wenn mein Kind im Flugzeug weint und sich nicht beruhigen lässt?

Zuerst schon mal die beruhigende Info: Ich habe es nur sehr selten erlebt, dass ein Baby den ganzen Flug über geschrien hat. Das ein Baby im Flugzeug schreit, ist normal. Oft weinen die Kleinen vor dem Start.

Sie spüren, dass sich etwas verändert und sie in einer ungewohnten Umgebung sind.

Sobald das Flugzeug jedoch in der Luft ist, beruhigen sich die meisten Babys ganz schnell.

Das durch die Turbinen entstehende tiefe, gleichmäßige Brummen wirkt beruhigend und hilft beim runterkommen und entspannen.

Ich glaube, dass sich an dieser Stelle auch die Eltern entspannen können, denn jetzt geht der Urlaub los.

Der stressige Tag der Anreise und das Gewusel am Flughafen liegt hinter einem und man hat es geschafft.

Man sitzt im Flugzeug. Jetzt ist alles gut. Das überträgt sich auf die Kleinen.

 

Wenn es mal nicht wie im Bilderbuch läuft, ist das kein Grund zur Panik.

Umso ruhiger die Eltern bleiben, umso schneller beruhigt sich auch das Kind.


Checkliste für laute, unangenehme Situationen

  • Vielleicht ist Deinem Kind zu warm oder zu kalt?
  • Braucht es eine neue Windel?
  • Möchte es beschäftigt werden oder braucht es eher Ruhe?
  • Hat Dein Baby vielleicht Schmerzen?
  • Oder Hunger und Durst?

Auf die Plätze, fertig angeschnallt, los gehts !

Bei Start und Landung entsteht Druck auf den Ohren. Babys und Kinder haben oft Schwierigkeiten mit dem Druckausgleich.

Ein Schnuller, die Flasche oder Brust helfen. Der geeignetste Zeitpunkt ist kurz vor dem Start, wenn das Flugzeug auf der Startbahn beschleunigt. Und vor der Landung, wenn der Flieger merklich in den Sinkflug geht. Das geschieht meist in Zusammenhang mit dem Aufleuchten der Anschnallzeichen.

 

Erfahrungsgemäß merkt man den Druck bei der Landung mehr als beim Start.

 

Das Kind sollte auch auf keinen Fall krank mit dem Flugzeug verreisen. Die Nasennebenhöhlen sind schon bei einer leichten Erkältung verengt und es kann zu Schmerzen bis hin zum Platzen des Trommelfells kommen.

Um sicher zu gehen, dass das Baby fit für den Flug ist, kann man den Kinderarzt aufsuchen. Dieser untersucht das Kind und gibt grünes Licht für die Reise.

Auch alle Fragen zum Thema Impfen sollten vorab mit dem Kinderarzt abgeklärt werden.


Windeln wechseln im Flugzeug

In jedem Flugzeug gibt es ausgewiesene Toiletten, die über Wickelmöglichkeiten verfügen. Ok, zugegeben der Wickelkomfort wird vielleicht ein wenig durch die Dimension der Lokalität geschmälert. Die Windeln können in der Toilette einfach im Abfall entsorgt werden.


Baby, ab ins Baby-bassinet

Auf Langstreckenflugzeugen gibt es die Möglichkeit, vorab gegen Gebühr ein Baby-Körbchen (Bassinet) zu reservieren. In diesen Körbchen können die Babys -im Idealfall- während des Reiseflugs friedlich schlummern.

Es gibt eine begrenzte Anzahl dieser Körbchen und es gelten Gewichts- und Größen Begrenzungen.

Online oder telefonisch kann man sich bei der entsprechenden Fluggesellschaft darüber informieren.

In diesen speziellen Mutter-Kind-Reihen sitzen die Eltern vor einer Trennwand. An der Trennwand wird nach dem Start das Körbchen von den Flugbegleitern angebracht. Das ist super praktisch um zwischenzeitlich das Baby auch mal abzulegen und in Ruhe etwas zu essen oder zu trinken.

Wenn das Baby darin schläft, ist nur darauf zu achten, dass der Gurt geschlossen ist und das Köpfchen vom Gang weg zeigt. So verhindert man, dass herabfallendes Gepäck das Kind am Kopf verletzt.

 

Bei Turbulenzen muss das Baby herausgenommen werden und wieder auf den Schoß durch den Loop Belt gesichert sein.


Während des Fluges

Sobald die Anschnallzeichen ausgeschaltet sind, kann man sich frei im Flugzeug bewegen.

Ausnahme: Während den Servicezeiten, wenn Trolleys in der Passagierkabine sind, ist es aus Sicherheitsgründen besser, wenn alle auf den Sitzen bleiben.

In den Servicepausen kann man auf jeden Fall aufstehen und den Flieger erkunden. Wir Flugbegleiter freuen uns in der Regel immer über kleine Besucher in der Bordküche.


Vor der Landung

Am besten auch die Flugzeit im Auge behalten. Auf Kurz- und Mittelstrecken ist es ratsam das Baby etwa 30 Minuten und auf Langstrecken 60 Minuten vor der Landung nochmals zu wickeln. Andernfalls kann man das erst wieder, nachdem man gelandet und ausgestiegen ist.

Die Dinge, die man nicht mehr braucht, kann man im Anschluss direkt zurück packen. Im Idealfall legst Du alles wieder an den dafür vorgesehenen Ort zurück. So bleibt man organisiert und erspart sich später hektische Situationen, weil man etwas nicht mehr findet.

Sobald sie Anschnallzeichen angeschaltet werden, darf man aus Sicherheitsgründen nicht mehr aufstehen.

Nach der Landung kann es gut sein, erst die anderen Fluggäste vorzulassen und dann alles noch Verbleibende in Ruhe zusammen zu packen.

 

Beim Aussteigen kannst Du die Flugbegleiter fragen, wo man den Kinderwagen zurückbekommt. Die stehen in enger Zusammenarbeit mit der zuständigen Station und geben gerne Auskunft.


Checkliste für den ersten Flug :

  • Checkt vor der Buchung, ob versteckte Kosten lauern
  • Kümmere dich um Reisepass und Impfungen
  • Bucht keinen eigenen Sitz
  • Packt sinnvoll und vorausschauend
  • Informiert euch über die Bedingungen der Airline
  • Online einchecken ist Trumpf
  • Genug Zeit einplanen
  • Alles Unnötige am Check-In Schalter abgeben oder zum Sperrgepäck bringen
  • Achte darauf, dass Du und dein Kind gesund seid
  • Kein Grund zur Panik, wenn dein Kind im Flugzeug schreit
  • Unterstütze dein Baby mit dem Druckausgleich
  • Freue Dich auf den Flug

VERTRAUE DEINEM KIND, ES VERTRAUT AUCH AUF DICH

Nun hast Du genug Informationen, um ohne Ängste die erste Reise zu wagen.

Es wird ganz sicher eine tolle Erfahrung für Euch alle werden.

Ich wünsch Dir und deinem Baby, dass ihr die Zeit genießt und gerne daran zurückdenkt.

Vielleicht sehen wir uns ja bald an Board.

ALWAYS HAPPY LANDINGS !

LINDA


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