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Meine Mutter-Kind-Kur. Wie wars? Was hat es gebracht?


Ein Erfahrungsbericht meiner Mutter-Kind-Kur in der Klinik "Sonnenalm" in Steibis bei Oberstaufen

 

Es war Mitte Mai.

Ich saß im Auto, ein quengelndes Kind auf der Rücksitzbank.

Es ging mir nicht gut.

Ich war gestresst.

Schließlich erreichte mich am Abend vorher der Anruf aus der Klinik, wo ich denn nur bleiben würde, sie machen sich schon Sorgen und warten auf mich.

Schließlich ist doch gleich Begrüßung aller neuen Kurgäste und überhaupt hätten wir ja schon vor Stunden da sein sollen.

 

So saß ich also mit eingezogenem Kopf und voller Schuldgefühlen hinterm Steuer und fuhr einen Tag später als offiziell angenommen Richtung Allgäu.

In all dem damaligen Stress hatte ich mich einfach um einen Tag im Kalender vertan.

 

Es gab Frühwarnsysteme aber all meine "Ich kann nicht mehr" und "Ich schaff das nicht" verhallten ungehört im Nimbus.

Genau genommen, hörte meine Tochter das ziemlich oft, aber was will sie mit ihren drei Jahren schon dagegen tun? Außer noch mehr an meinem Nervenkostüm zu zerren!

 

Da es keine Alternative für mich gab, musste ich einfach immer weitermachen.

Viel Arbeiten, zu unterschiedlichsten Zeiten, Jetlag inclusive.

Ein Kleinkind in der Trotzphase, zahllose unruhige Nächte, Trennung, Todesfall und Migräne des Todes.

 

Ich war körperlich und emotional am Siedepunkt angekommen.

 

Man konnte also sagen: Ich brauchte diese Kur ganz dringend.

 

Wie bereits oben erwähnt, ging es für uns in die Klinik Sonnenalm, in ein idyllisches Bergdorf in der Nähe von Oberstaufen.

 

Ich war mehr als peinlich berührt als ich schließlich einen Tag zu spät ankam.

Stresslevel 1000!

Die Klinikmitarbeiter verziehen uns das späte Erscheinen und hießen uns "Herzlich Willkommen".

Nach dem holprigen Start fühlte ich mich aber direkt wohl und als wir das Zimmer bezogen hatten, konnte ich das erste Mal durchatmen.

 

Eine riesen Last viel von mir ab.

Ich weiß nicht genau, was dafür verantwortlich war.

Das Berg-Flair, das "Endlich-Angekommen" oder das Vertrauen, dass bald ein neues Kapitel unseres Lebens losgeht.


Endlich angekommen, das passierte am ersten Tag:

 

Nach unserer ersten Nacht in der Klinik Sonnenalm ging es zum Frühstück und anschließend brachte ich meine Tochter in den Kindergarten.

Die Kinder wurden nach Alter in drei verschiedene Gruppen eingeteilt.

Sie wollte sich am Morgen natürlich nicht von mir trennen, aber mein erster Termin stand an und ich übergab sie, unter Tränen und Protest, den wirklich lieben und bemühten Kindergärtnerinnen.

  • Spoiler vorweg: Weder Tränen noch Theater änderten sich signifikant im weiteren Verlauf unserer Kur.

 

Der erste Termin:

Es ging zum Klinikarzt.

Um das Optimum aus meiner Kur herauszuholen, spricht man zu Beginn mit einem Arzt über die derzeitige Befindlichkeit.

Es wird ein intensives Gespräch geführt, und die Hard-Facts wie BMI, Vorerkrankung und nötige Medikamente erfasst.

Im Anschluss wird versucht einen geeigneten, individuell auf den Patienten abgestimmten Wochenablauf zu erstellen.

 


Die Verpflegung

  • Frühstück:

Die erste Mahlzeit des Tages nimmt man gemeinsam mit den Kindern zu sich. Kaffee, Tee oder heiße Schokolade wurden angeboten. Das Buffet war reichhaltig, so dass jeder etwas fand und satt wurde.

 

  • Mittagessen:

Meine Tochter war schon "groß genug" und konnte mittags im Kindergarten essen. So hatte ich den Luxus in Ruhe essen zu können. Kleinere Kinder, die noch in der Krippe waren, mussten von den Eltern abgeholt werden und mit zum Mittagessen genommen werden. Mittags gab es Salat oder Suppe vom Buffet, einen servierten Hauptgang und Dessert.

 

  • Abendbrot:

Am Abend konnte man sich selbst so viel man möchte vom Buffet nehmen, das Angebot war vielseitig. Salate, Suppen, Warme und Kalte Gerichte. Das Essen hat mir immer geschmeckt und das Personal war sehr freundlich und geduldig. Am Abend konnte man sehr schön auf der Dachterrasse des Speisesaals sitzen. Die Kinder gruppierten sich gerne und verschwanden auf dem Spielplatz gegenüber, während die Mütter noch gemütlich sitzen bleiben konnten. 

 

 

  • Einziger Minus-Punkt, war für mich eindeutig die Lautstärke beim Essen.

Die Mütter/Väter mit ihren Kindern, sind nicht ohne Grund in der Klinik.

Oft liegen die Nerven blank, man ist am Ende seiner Kräfte angelangt und die Kinder dementsprechend überdreht, wild und anstrengend.

Für mich war, vor allem am Anfang, die Lautstärke unangenehm.

Wenn es das Wetter zuließ, saßen wir auf der Terrasse, dort war der Lärmpegel erträglicher.

 


Der Wochenplan - die Therapien und Anwendungen

 

Mein Wochenplan, bzw. Stundenplan wurde von der Klinik für mich unter Berücksichtigung meiner Bedürfnisse und Beschwerden erstellt.

  • Die darin aufgeführten Einheiten waren verpflichtend und mussten penibel eingehalten werden.
  • Der Plan beinhaltete neben Sportstunden wie Walking, Wassergymnasik oder Koordinationstraining auch Physiotherapie und Gespräche mit einem Psychologen.
  • Es gab das Angebot einer Kunsttherapie, Achtsamkeitsübungen, Yoga-Stunden und Kräuterwanderungen.
  • Während Leandra gut behütet im Kindergarten war, hatte ich meine festen Termine und Auszeiten. Ich fand das Angebot vielfältig und interessant.
  • Mein Therapieplan war recht vollgepackt. Aber neben all den Terminen blieb auch noch etwas Zeit für mich. So ging ich beispielsweise hinter der Klinik in den Wald, in die Berge zum Wandern oder ich las einfach nur in Ruhe ein Buch.

 


Der Tagesablauf in der Klinik

 

Die ersten Tage standen noch nicht so viele Termine an, wir hatten einfach Zeit anzukommen.

 

Ab dem dritten Tag hatten wir uns auch allmählich akklimatisiert.

Wir waren langsam mit der neuen Umgebung vertraut, verliefen uns nicht mehr, fanden den kürzesten Weg in den Speisesaal, wussten grob wo es was gab und knüpften die ersten Bekanntschaften.

 

Wir hatten einen geregelten Tagesablauf:

 

07:00 Uhr - Frühstück 

08:00 Uhr - Kind in das Kinderhaus bringen
08:15 Uhr - Vormittags - Therapie 
12:00 Uhr - Mittagessen 
13:00 Uhr - Kind abholen und eine Stunde Mittagspause 
14:00 Uhr - Kind wieder in das Kinderhaus bringen
14:15 Uhr - Nachmittags - Therapie 
ca. 15:00 Uhr - Kind abholen

18:00 Uhr - Abendessen

  

 

Für die Kinder gab es auch ausreichend Programm.

  • Das gut ausgestattete Kinderhaus bietet genug Spielmöglichkeiten und Platz zum Toben.
  • Die Kinder waren viel an der frischen Luft auf dem Spielplatz, mit großem Sandkasten und einigen Geräten zum Schaukeln oder Klettern.
  • Es wurden Dinge für die Eltern gebastelt und gemalt.
  • Schulpflichtige Kinder können an einer Hausaufgabenbetreuung teilnehmen.

 

Die Wochenenden waren "frei". Man kann Ausflüge unternehmen oder Besuch empfangen.

 


Behandlungen und Anwendungen

 

  • Physiotherapie

Wer schon mal bei einem Physiotherapeuten war, weiß wie das dort abläuft: Zuerst darf man 20 Minuten auf einer Wärmepackung liegen. Dadurch entspannen sich die Muskeln. Im Anschluss wurde ich einmal von oben bis unten eingerenkt und es wurde damit begonnen, Blockaden und Verspannungen zu lösen.

 

  • Walking

Alle Kurgäste wurden zum Walking verdonnert, das uns im Übrigen allen ehrlich Spaß gemacht hat. Die anfängliche Empörung das jetzt machen zu müssen wich schließlich der Dankbarkeit dies tun zu dürfen.

Die auflebende Natur und die Bewegung taten mir/uns richtig gut. Die Walking-Strecke ging über die umliegenden Berge durch den Wald, vorbei an Wasserfällen und Kuhweiden. 

 

  • Sport:

Im Sportraum durfte ich an Gymnastikstunden teilnehmen, Stretching, Kraft- und Koordinationstraining.
Ich war nie ein bewegungsfauler Mensch, jedoch zwang der Alltag meine Sportmotivation in die Knie und ich ließ es einfach irgendwann bleiben. Umso mehr freute ich mich auf die Bewegung und darauf, endlich wieder Sport treiben zu können.

 

  • Schwimmen:

Es gab ein Schwimmbad in dem ich mich bei der Wassergymnastik auspowern konnte. Das Schwimmbad konnte zu gewissen Stunden auch von den Kindern mit genutzt werden. Unter Aufsicht eines Erwachsenen durften die Kinder dort herumtoben.

 

  • Psychologe:

Natürlich gab es auch Psychologengespräche. Die Psychologin, die mir zugeteilt wurde, war sehr sympathisch und die Gespräche inspirieren mich bis heute.

 

  • Vorträge:

Auch Teil des Programms waren Vorträge, zum Themen: Gesunder Rücken und Wirbelsäule. Uns wurde ein Film gezeigt, wenn Eltern in die Schreifalle tappen, oft Laut werden, und was man stattdessen besser tun sollte.

 

  • Yoga und Entspannung:

Auf freiwilliger Basis konnte man am Abend Yoga und Entspannungs-Einheiten mitmachen und tagsüber gab es Achtsamkeitsübungen, im "Hier und Jetzt" zu leben. Dort habe ich auch einen wichtigen Satz mit auf den Weg bekommen:

 

"Du kannst nur im JETZT zur Ruhe kommen und Kraft tanken. weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft wirst du Frieden finden."

 


Das Fazit der Mutter-Kind-Kur

 

Die Tage vergingen und ich erholte mich jeden Tag ein winzig kleines Bisschen mehr!

 

  • Am Ende der Kur war ich definitiv ein anderer Mensch, war weniger gestresst und hatte weniger Kopfschmerzen als vorher.
  • Ich war zuversichtlich was unsere Zukunft anging und freute mich auch wieder auf zuhause.

 

Natürlich waren nicht all meine Probleme gelöst, die Situation war immer noch die Gleiche, aber ich konnte meine Batterien aufladen und hatte wieder Kraft, um zuhause Kind, Arbeit und Haushalt zu stemmen.

 

Die Mutter-Kind-Kur hat bei mir gut funktioniert, weil ich mich voll und ganz darauf eingelassen habe.

  • Ich habe vieles gelernt und mitgenommen.
  • Einiges konnte ich auch zuhause in den Alltag integrieren.
  • Außerdem habe ich meine Prioritäten neu verteilt: Wenn es mir gut geht, kann ich mich um andere kümmern. Oder: Erst, wenn Ich Sport gemacht habe, kann ich auch den Haushalt machen.
  • Ich habe mir einen gesunden Egoismus angeeignet, der es mir ermöglicht mehr auf mich und meine Bedürfnisse zu achten.
  • Auch habe ich gelernt Nein zu sagen, wenn mir etwas zu stressig wurde und mir stattdessen mehr Auszeiten eingeplant. Auch das Gefühl "Trauer" zulassen zu können, hat mir geholfen, es nicht länger zu verdrängen und so weiter dran festhalten zu müssen.
  • Ich habe mich mit den anderen Müttern gut verstanden, wir hatten Spaß zusammen und haben viel gelacht. Auch gemeinsame Ausflüge haben wir unternommen und der obligatorische "Ratsch" im Garten nach dem Abendessen gehörte dazu.
  • Außerdem konnte ich intensiv Zeit mit meinem Kind verbringen. Wir unternommen Ausflüge an den Wochenenden und ich genoss die Zeit, die ich mit meiner Tochter hatte.
  • Im Anschluss an die Kur habe ich bewusst meinen Alltag entschleunigt und anders geplant.

 

Das Allgäu, mit den unendlichen Blumenwiesen und Kuhweiden, hat mir die Lebensfreude zurück gegeben und ich konnte neue Kraft und Hoffnung schöpfen.

 

Falls Du deine Mutter-Kind-Kur auch in Steibis verbringst, habe ich dem separaten Blog-Beitrag - "Ferienregion Oberstaufen" meine Ausflugsideen für die Region zusammen getragen.


 

Bleib gesund und pass auch dich auf !

 

Bist du auch schon mal zur Kur gefahren?

Linda von Irgendwo mit Kind


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